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Firmengründer gibt Geschäftsführung ab

NWZ, 14.12.2018



Harald Meyer verlässt die Geschäftsführung (Foto: Folkerts)
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Ganderkesee - Nach 41 Jahren verlässt Harald Meyer mit 69 Jahren die Geschäftsführung seiner Firma. Der Gründer von Meyer Technik wird an diesem Freitag bei der Weihnachtsfeier des Unternehmens verabschiedet. Zu der Feier haben sich 174 Kolleginnen und Kollegen angemeldet.

Harald Meyer ist bereits zum 31. Oktober offiziell aus der Geschäftsführung der Harald Meyer Brandschutz-Elektro GmbH & Co. KG ausgetreten. So ganz geht er aber nicht. Er will in Zukunft den Geschäftsführern Sven Freese und Lukas Bäcker als Vorsitzender des Beirats und als Gesellschafter unterstützend zur Seite stehen.

Der scheidende Geschäftsführer kann auf eine lange Geschichte der Ganderkeseer Firma zurückblicken. Angefangen hat aber 1977 alles in einer Garage in Brettorf. „Ich wollte einen Betrieb mit zehn, vielleicht 15 Mitarbeitern aufbauen“, erinnert sich Meyer. „Doch Mitte der 1980er Jahre wurden die Projekte unserer Kunden größer, mehr Personal war nötig und wir sind kontinuierlich gewachsen.“

Weiteres Wachstum, der Umzug nach Ganderkesee, stets neue Herausforderungen: Meist konnte Harald Meyer gut schlafen, auch wenn er die eine oder andere unruhige Nacht hatte. „Als Unternehmer muss man Risiken eingehen und Verantwortung vor allem für die Mitarbeiter übernehmen“, so Meyer.

In den vergangenen Jahren sei vor allem die Digitalisierung hinzu gekommen: „Die ist Segen und Fluch zugleich.“ Einerseits biete sie Chancen, andererseits könne das Tempo die Menschen schon überfordern. „Es ist wichtig, den Mitarbeitern die Angst vor diesen Veränderungen zu nehmen.“

Seinen Posten als Geschäftsführer gibt Harald Meyer guten Gewissens ab. „Ich weiß, dass das Unternehmen in guten Händen ist.“ Damit seien nicht nur die Geschäftsführer der Unternehmensbereiche, sondern auch die Projekt- und Abteilungsleiter gemeint. „Wir verfügen über eine gesunde Mischung aus Erfahrung und jugendlichem Enthusiasmus“, so Meyer. „Das macht mich stolz und lässt mich mit einem guten Gefühl gehen. Zudem bleibe ich dem Unternehmen als Gesellschafter und als Beiratsvorsitzender erhalten.“

Tipps für die nachfolgende Geschäftsführung hat Harald Meyer auch noch parat: „Führung ist immer auch Teamarbeit.“ Da das Unternehmen aber ein „super Führungsteam und eine tolles Klima in der Belegschaft“ habe, sei eine Zusammenarbeit „auf Augenhöhe“ bereits „gelebte Praxis bei uns“. Das Kümmern um die Mitarbeiter sei aber intensiver geworden. „Deshalb ist es gut, dass die Firmengruppe von vielen Schultern getragen wird“, ist der neue Beiratsvorsitzende überzeugt.

Quelle: https://www.nwzonline.de/oldenburg-kreis/wirtschaft/ganderkesee-meyer-technik-in-ganderkesee-firmengruender-gibt-geschaeftsfuehrung-ab_a_50,3,2044838950.html


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„Den Abgang selbst bestimmen“


Weser Kurier, 19.12.2018

von Jochen Brünner

Nach 41 Jahren an der Spitze des Elektrotechnik-Konzerns Meyer Technik hat sich Gründer Harald Meyer jetzt aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Im Interview erklärt er, worauf er besonders stolz ist.


Nach 41 Jahren an der Spitze der Unternehmensgruppe Meyer Technik hat sich Firmengründer Harald Meyer jetzt aus dem operativen Geschäft zurückgezogen (Bild: Folkerts).

Ihre Garage, in der Sie 1977 angefangen haben, ist ja mittlerweile legendär. Existiert die noch?

Harald Meyer: Daraus ist inzwischen ein Wohnhaus geworden. Als wir 1992 nach Ganderkesee umgezogen sind, habe ich das umgebaut. Jetzt wohnt dort eine unsere Mitarbeiterinnen. Und in meiner privaten Garage liegt auch kein Lötkolben mehr. Ich habe nur eine kleine Werkstatt mit ganz normalen Gerätschaften.

Wie ist Ihre Begeisterung für die Elektrotechnik zustande gekommen? Waren Sie auch in Ihrer Jugend schon ein Bastler?

Nein, das waren eher pragmatische Erwägungen. Ich habe nach der Schule eine dreieinhalbjährige Lehre im Elektrohandwerk gemacht. Das war ein kleiner Elektrobetrieb mit drei Mitarbeitern – heute ist er wesentlich größer –, der mit dem Fahrrad erreichbar war. Und in dieser Zeit habe ich sehr viel gelernt. Fachhochschulreife und Studium habe ich erst später nachgeholt.

Wann kam der Entschluss zur Selbstständigkeit?

Den Entschluss, mich selbstständig zu machen, habe ich etwa 1975 oder 1976 getroffen. Der Arbeitsmarkt war damals nicht gut, und das Ingenieurbüro, in dem ich damals beschäftigt war, stand kurz vor der Auflösung. Mir war wichtig, die Meisterprüfung zu machen, damit ich auch Lehrlinge ausbilden konnte. Ich habe dann auch schnell einen Gesellen gefunden, der im vergangenen Jahr auch sein 40-jähriges Jubiläum feiern konnte und seit seinem Ruhestand immer noch ein paar Stunden in der Woche für uns arbeitet. Und dann ist das Unternehmen langsam gewachsen.

Und zwar schneller, als sie eigentlich beabsichtigt haben...

Ich habe am Anfang gedacht: Zehn bis 15 Mitarbeiter ist eigentlich eine gute Größe. Die ist handhabbar. Und wenn dieses Ziel erreicht ist, ist es okay. Doch es kam anders. Neue Bereiche wie der Brandschutz kamen hinzu, die Projekte wurden größer, und dadurch brauchten wir mehr Personal. Und wenn man gute Leute hat, dann will man die auch gern behalten. Inzwischen haben wir 200 Mitarbeiter.

Gab es irgendwann mal den Moment, wo Sie gedacht haben, jetzt wächst mir die ganze Geschichte über den Kopf?

Wenn Projekte nicht so gelaufen sind, wie ich mir das gewünscht habe, dann ist das sicher auch mal vorgekommen. Aber bereut habe ich das nie. Der Schritt zurück war für mich nie eine Option. Ob und wie stark man wächst, hängt ja auch immer von der Konjunktur ab.

Gerade bei der Umwelt- und der Brandschutztechnik hat Ihnen die Entwicklung ja auch in die Karten gespielt…

Brandschutztechnik ist immer noch ein sehr lukrativer Bereich, weil der Brandschutz in den vergangenen 30 Jahren einen sehr viel höheren Stellenwert bekommen hat. Das wird zwar mitunter beklagt, aber wenn man sich die Schäden anguckt, die entstehen, weil nicht rechtzeitig alarmiert wird, ist das ja auch gerechtfertigt. Ein Gebäude ist heute anders als vor 50 Jahren. Da ist viel mehr Technik drin, deshalb muss auch der Brandschutz stärker berücksichtigt werden.

Photovoltaik ist ein weiteres Stichwort…

Ja, da waren wir eine der ersten Firmen, die sich in diesem Bereich engagiert haben, und am Anfang sind wir dafür auch belächelt worden. Aber das hat sich sehr gut entwickelt, und heute ist die Photovoltaik konkurrenzfähig zu anderen Energiequellen. Inzwischen haben wir auch schon viele Speichergeräte verkauft, die den aus Photovoltaik-Anlagen gewonnenen Strom dann abgeben, wenn er gebraucht wird. Also eine Art Batterietechnik. Die ist inzwischen etwas günstiger geworden, und es gibt viele Kunden, die sagen, ich möchte da ein bisschen autark sein.

Wenn Sie die 41 Jahre Revue passieren lassen: Worauf sind Sie besonders stolz?

Auf den Umgang mit Mitarbeitern. Das ist für mich ein ganz wesentlicher Punkt. Gerade wenn man in einer Wachstumsphase ist. Ich habe immer großen Wert darauf gelegt, Mitarbeitern auf Augenhöhe zu begegnen und sie nicht nur zu fordern, sondern auch zu fördern, sodass sie sich im Unternehmen entwickeln können. Gerade in der Technik ist Kreativität sehr gefragt. Es ist uns gelungen, Mitarbeiter auch im Veränderungsprozess mitzunehmen. Wir haben viele Beschäftigte, die seit Jahrzehnten bei uns sind. Und ich habe immer großen Wert auf Teambuilding gelegt. Man muss Entscheidungen in einem Unternehmen auch begründen können, damit der Mitarbeiter versteht: Warum machen wir das jetzt so und nicht anders. Und wenn von 200 Beschäftigten 180 zur Weihnachtsfeier kommen, dann ist das eine tolle Quote und sagt einiges aus.

Gab es auch richtige Katastrophen?

Ende 2008 hatten wir in unserer Filiale in Rostock große Probleme mit Unregelmäßigkeiten, die dann letztlich dazu geführt haben, dass wir den Standort mit seinen 35 Mitarbeitern geschlossen haben. Die sind auch zum größten Teil alle wieder untergekommen. Am Anfang lief das gut, aber dann haben wir nicht genau genug hingeguckt, und als wir es gemerkt haben, war es eigentlich zu spät. Wir haben aber aus dieser Erfahrung gelernt und inzwischen ein gutes Controlling aufgebaut, sodass uns das heute wohl nicht noch einmal passieren würde.

In welcher Sparte sehen Sie noch Entwicklungspotenzial oder ist erst einmal Konsolidierung angesagt?

Wir befinden uns schon seit Jahren in einer Konsolidierungsphase. Wir sind organisatorisch gut aufgestellt, aber eine Expansion ist durch den Fachkräftemangel gegenwärtig gar nicht möglich. Wenn man heute wachsen will, dann geht das nur, wenn man einen anderen Betrieb übernimmt. Wir haben viele offene Stellen, die wir nicht besetzen können, und wir steuern gegen, indem wir sehr viel ausbilden. Wir haben inzwischen 31 Auszubildende, eine Quote von 15 Prozent. Aber wir haben auch auf der Ausbilderseite aufgerüstet, damit die Qualität stimmt und sich die Lehrlinge bei uns auch wohl fühlen. Und selbst wenn wir am Ende nicht alle eines Jahrgangs übernehmen, weil junge Leute auch andere Pläne haben, bin ich damit sehr zufrieden. Auch der Bereich der Weiterbildung wächst ständig. Überhaupt bin ich der Meinung, dass Deutschland immer noch viel zu wenig Geld für Bildung ausgibt.

Wie beurteilen Sie die Zukunftsaussichten der Branche?

Die ganze Menschheit ist komplett abhängig vom Strom. Und so lange das so bleibt, braucht man Elektrotechniker. Auch Ersatzstromanlagen werden noch ein Markt werden.

Wie lange haben Sie den Schritt, sich aus dem operativen Geschäft zurückzuziehen, überlegt?

Schon nach dem 30-jährigen Firmengeburtstag 2007 habe ich angefangen, mir über eine Nachfolge Gedanken zu machen. Ich habe keine Kinder, und schon damals war mir klar, dass ich die Weichen würde stellen müssen. Mit Sven Freese ist ein langjähriger Mitarbeiter in die Geschäftsführung eingetreten, und mit Lukas Bäcker haben wir im kaufmännischen Bereich einen jungen Geschäftsführer, der eigentlich mal Berufsschullehrer werden wollte und Wirtschaftspädagogik studiert hat. Auch das fand ich, passt sehr gut in dieses Unternehmen. Aber der gesamte Aufbauprozess hat auch acht Jahre gedauert. Aber ich hatte immer eine Art Notfallkoffer. Selbst wenn ich längere Zeit ausgefallen wäre, war immer sichergestellt, dass das Unternehmen weiterläuft. Das ist bei kleineren Betrieben schwieriger.

Was machen Sie jetzt mit Ihrer ganzen Freizeit?

Naja, so viel Freizeit ist ja auch nicht. Ich habe ja noch einige Ehrenämter, etwa im neu gegründeten Beirat der Firma, im IHK-Beirat, im Vorstand der Synergiegemeinschaft Delmenhorst/Oldenburg-Land oder in der Dötlingen-Stiftung. Mit fällt dieser Rückzug jetzt auch nicht schwer. Ich habe lange darauf hingewirkt, und ich bleibe erst einmal Eigentümer des Unternehmens. Aber auch das könnte sich mittelfristig ändern: Wenn das gut läuft mit den Geschäftsführern, dann sollen die auch Anteile bekommen. Ich empfinde den Ausstieg jetzt eher als Erleichterung. Wenn man voll operativ tätig ist, hat man wenig Zeit für neue Konzepte. Jetzt kann ich auch mal eine Fachmesse besuchen, denn da kriegt man mit, wo der Zug hinfährt.

Was ist denn mit Ihren politischen Ambitionen?

Ich war ehrenamtlicher Bürgermeister in Dötlingen, und im Kreistag bin ich 2011 ausgetreten. Das habe ich 35 Jahre lang gemacht, das war dann auch genug.

Dabei könnte Ihre Partei, die SPD, einen gestandenen Unternehmer in ihren Reihen gut gebrauchen…

Ich will da mit meinen Kräften haushalten. Ich finde, auch die politischen Ämter muss man irgendwann den jungen Leuten überlassen. Ich bin sehr froh, dass in Dötlingen so viele junge Leute im Rat sitzen. Bei einigen Kollegen im Kreistag war es ja fast tragisch, dass sie nicht losgelassen haben. Ich finde: Man muss den Abgang immer noch selbst bestimmen.

Quelle: https://www.weser-kurier.de/region/delmenhorster-kurier_artikel,-den-abgang-selbst-bestimmen-_arid,1792904.html



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